Zolllager

Zolllager erlauben die abgabenfreie Zwischenlagerung von Nicht-Unionswaren im Zollgebiet der Union. In einem laufenden Zolllagerverfahren kommen keine handelspolitischen Maßnahmen zur Anwendung. Eingeführte Waren können zunächst ohne Vorlage von Einfuhrgenehmigungen gelagert werden. Erfolgt eine Überführung der Waren in den freien Verkehr, sind jedoch alle notwendigen Bescheinigungen vorzuweisen. Auch Einfuhrabgaben werden erst fällig, wenn die Nicht-Unionswaren aus dem Zolllager entnommen werden und in den freien Verkehr gelangen.

Zolllager sind somit Zwischenspeicher, in denen unverzollte Güter gelagert werden, um Kosten- oder Zinsersparnisse zu erzielen. Die Errichtung von Zolllagerstätten setzt eine Bewilligung des zuständigen Zollamtes voraus.

Öffentliche Zolllager an See- oder Flughäfen dürfen von allen Wirtschaftstreibenden für die Lagerung ihrer Waren genutzt werden. Private Zolllagerstätten, die häufig von einer Spedition betrieben werden, stehen nur dem Lagerinhaber und seinen Kunden zur Verfügung. Zolllagerwaren können zunächst unverzollt im Lager der Spedition aufbewahrt werden. Der Spediteur übernimmt die dokumentarische Lagerführung und agiert als kompetenter Vermittler zwischen Exporteuren, Importeuren sowie Zollbehörden. Im Auftrag der Kunden werden Verzollungen und Weitertransporte von Einfuhr- oder Ausfuhrlieferungen durchgeführt.

Das private Zolllager einer Spedition dient ausschließlich der zollfreien Lagerhaltung. Einfache Warenbewegungen, die als übliche Behandlungen klassifiziert werden, sind jedoch gestattet. So darf ein Kommissionieren, Verwiegen, Sortieren oder Abpacken der Waren bereits in der Zolllagerstätte erfolgen. Auch die Entnahme von Proben zur Qualitätssicherung ist zulässig. Veredelungen sowie temporäre Warenentnahmen erfordern hingegen eine zollrechtliche Bewilligung.

Unternehmen, die eine Spedition mit der unverzollten Lagerung ihrer Waren beauftragen, können vier elementare Wettbewerbsvorteile erzielen:

 

  • Abgabenersparnis:
    Die Abgabenschuld für Nicht-Unionswaren, welche zum Absatz im Inland bestimmt sind, wird erst bei der Auslagerung der Waren fällig. Für Transitgüter, die durch das Gebiet der Union befördert werden, ergibt sich eine abgabenneutrale Situation.

  • Vermeidung von Kapitalbindung:
    Ein befristeter Zahlungsaufschub der Zollabgaben erleichtert die Überbrückung von Liquiditätsengpässen.

  • Nichtanwendung handelspolitischer Maßnahmen:
    Bei der Überführung der Waren in ein Zolllager kommen zunächst keine handelspolitischen Maßnahmen zur Anwendung. Einfuhrgenehmigungen sowie weitere notwendige Bescheinigungen müssen erst vorgelegt werden, wenn die Waren in den freien Verkehr gelangen.

  • Integrierte Dienstleistungen:
    Die beauftragte Spedition kümmert sich nicht nur um die Aufbewahrung der Waren im Zolllager, sondern übernimmt auch weiterführende Beratungstätigkeiten sowie Verzollungs- und Logistikaufgaben.

 

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